"Alle glücklichen Familien gleichen einander. Jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Art unglücklich."

Leo Tolstoi (1828-1910) (Anfang des Buches Anna Karenina)

 

Familienbande

 

"Blut ist dicker als Wasser", so heißt es nicht umsonst. Warum ist Familie für uns so wichtig? Sie kann uns fehlen, erdrücken, uns peinlich sein, uns als schwarzes Schaf ausschließen oder auch ("aus dir ist was geworden") vielleicht vergöttern. Egal wie wir zur Familie stehen, eins ist gewiss, sie ist ein Teil von uns. Glücklich der, der mit ihr auskommt. Und was tun die, die nicht dieses Glück erfahren? Können sie daran arbeiten mit ihrer Familie ins reine zu kommen?

 

Familien, das sind energetische Beziehungsstrukturen, die uns emotional verbindlich fesseln können. Schon in der Kindheit wird uns einen fester familiärer Platz zugeordnet ("Mamas/Papas Liebling, das Nesthäkchen, die Kluge, der Ungeliebte, unser Sorgenkind, unser Stammhalter und natürlich die Hilfsbereite, die für alles zuständig ist und ein leben lang sein wird) Steter Tropfen höhlt den Stein und je öfter uns als Kind eine familiären Rolle zugewiesen wurde desto mehr wurden sie zu unserer eigenen. 

 

Fall nur nicht aus der Rolle, sagen der Rest der Familie zu uns. Aber genau das müssen wir, um uns selbst zu finden. Sonst bleiben wir emotional gebunden, an das was die Familie über uns denkt.  Nur gegen das offizielle gültige Bild von uns zu rebellieren bringt nichts, den wir bleiben gebunden an ein Zerrbild. Nicht durch aktive sondern  passive Negation können wir dem festgelegten familiären Schicksal entrinnen. Auch positive  Verzerrungen des Selbst stören die eigene Entwicklung, denn wir müssen letztendlich den Meinungen anderer entwachsen um selbst zu werden, um emotional und seelisch zu reifen. 

 

Die familiären Strukturen begleiten uns durchs Leben. In Liebe und Beruf mischen sie unbewusst mit. Eine Familie kann uns das Rückgrat stärken oder aber frühzeitig brechen. Im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung kommt man nicht an dem Themar Familie und unserem Verhältnis dazu vorbei. Psychologen, Philosophen, Pädagoge, Soziologen haben ein reges  Interesse am Thema Familie. Doch dies sind nicht die Einzigen. Die Ehe gilt vielen als Keimzelle des Staates. Ist  eine Ehe eine kleinstmögliche Familie, oder bedarf es der Nachkommen? Welche Wandlung erfährt der Familienbegriff durch Gesellschaftspolitik und Zeitgeist. Welche Familienbande entwickeln sich in Patchwork-Familien oder bei gleichgeschlechtliche Ehen mit Kindern?

 

Karl Kraus, Schriftsteller und scharfzüngiger Satiriker fand dass das Wort Familienbande einen Beigeschmack von Wahrheit besitzt. Hat er recht? Tatsache ist, dass jeder irgendetwas über seine Beziehung zu seiner Familie zu berichten weis. Wird die Familie bewusst zu einem emotionalen Problem für uns suchen wir Rat und Hilfe.

 

Wollen wir familiäre Probleme mit "andersweltlichen Augen" betrachten, so wird der Birkenwald zu einem wichtigen Gesprächspartner für die eigene Seele.