Von der Kraft gemalter Bilder

oder

wie wir durch das Betrachten von Bildern unsere Persönlichkeit formen können

"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", dieser gelungener Werbeslogan aus dem Jahr 1921, der auf die vermeintlichen Vorzüge des Bildhaften gegenüber dem Textuellen verweist, ist zu einer allgemeingültigen Wahrheit geworden. Nicht nur die Werbung bedient sich eindrucksvoll dem Bildhaften. Verkehrszeichen regeln den Verkehr, der Totenkopf auf Flaschen oder Flaggen verheißt nichts Gutes, und Emoticons signalisieren uns, was der Andere zu fühlen vorgibt. Auch in der Sprache wird das Bildhafte benutzt, um Wirkung zu erzielen.

 

In diesem Artikel geht es um die Kraft, die in der Malerei sichtbar wird, und welchen Einfluss Bilder auf uns besitzen. Seit 2016 biete Morgana´s Stern ® interessierten Schülerinnen und Schülern einen kunstorientierten, spirituellen Lehrpfad an, der das Prinzip der Seelenschulung nutzt, um das Verständnis von Malerei zu vertiefen und die spirituelle Arbeit mit Bildern für die persönliche Entwicklung zu nutzen.

 

Erste Fragen

Mit welchen Augen sehen wir uns Gemälde an? Wonach beurteilen wir sie und welche Wirkung haben Bilder auf unsere Persönlichkeit? Ist beispielsweise Schönheit ein sinnvoller Maßstab, um die Wirkung eines Bildes auf uns zu beschreiben? Bekanntlich liegt die Schönheit sprichwörtlich „nur“ im Auge des Betrachters und ist dem Zeitgeist unterworfen. Wie beeinflusst uns die Berühmtheit des Malers oder der Malerin bei der Beurteilung ihrer Werke? Der Kunstmarkt zeigt es uns. 

 

Die Kraft des Verzeihens - Acryl 60cmx80cm Copyright 2009 Ulrike Krzistetzko
Acryl 60cmx80cm Copyright 2009 Ulrike Krzistetzko

Wie wirkt das obige Bild auf Sie? Gefällt Ihnen der Schwan? Missfällt er Ihnen oder lässt er Sie gleichgültig? Wir erfahren Bilder gefiltert durch unsere persönlichen Ab- und Zuneigungen. Wurden Sie von einem Schwan gebissen? Fühlen Sie sich als hässliches Entlein verkannt? Mögen Sie schwarz-braun Töne, fühlen sich damit geborgen oder erinnert Sie diese Farbwahl an das Interieur der elterlichen Wohnung und die Tristesse ihrer Kindheit?

 

Viel Unbewusstes schwingt beim Betrachten eines Bildes und unserer Beurteilung des Bildes mit. Leistet das, was uns bewusst ist, seinen Beitrag dazu?

 

Nicht immer hat man das Glück, den Maler eines Bildes über seine Intention befragen zu können. Als Ulrike dieses Bild malte, bereitete sie grade ihre Workshop-Reihe: „Die Seele der Poesie – von Lyrik und Prosa auf der Seelenebene“, die mit dem Leben und Werk von Alexander Puschkin begann, vor. Eine intensive zweijährige Vorbereitung, die das Erlernen der russischen Sprache beinhaltete.

 

Ist das Bild eine Hommage an den Genius, des russischen Nationaldichters, geworden? Eine bildliche Antwort auf Puschkins poetisch aufgeworfene Frage: „Was kann mein Name dir bedeuten?" Verändert sich durch dieses zusätzliche Wissen über die Entstehungsgeschichte des Bildes im Nachhinein unsere Wahrnehmung und die Bedeutung, die wir ihm als Betrachter geben?

 

Gilt nicht hier die Weisheit des Fuchses aus Der kleine Prinz", dass beim Betrachten und Beurteilen von Bildern, dass das Wesentliche für unsere Augen unsichtbar bleibt und wir nur mit dem Herzen richtig sehen können? Existiert etwas, was im Bild, dem Sehsinn und dem geistigen Forschen verborgen bleibt und sich uns offenbaren kann? Was wir als die Seele des Bildes, seine Kraft oder seine inhärente Botschaft benennen können?

 

Dass wir die letzten zwei Fragen mit einem eindeutigen Ja beantworten, zeigen die vielen positiven Erfahrungen, die wir mit der Methode gemacht haben, , die wir unterrichten. Betrachten wir ein Bild auf der „Seelenebene der Malerei“, verbindet sich das Visuelle mit dem Spirituellen, erweitert unsere Wahrnehmung und das Bild bekommt dadurch eine tiefere und allgemeinere seelische Bedeutung.

 

Auf dieser Ebene betrachtet, trägt Ulrikes Bild die „Kraft des Verzeihens“ mit einem sehr eindeutigen Aufforderungscharakter in sich. Warum die „Kraft des Verzeihens“ in diesem Bild beim Malen seinen Fingerabdruck hinterließ, darüber kann man spekulieren. Ich sehe es pragmatisch. Mir reicht es zu wissen, dass sie es tat, den dann kann ich mit dem Bild arbeiten. Ob wir ein Bild mögen oder ablehnen, sagt noch nichts darüber aus, wie wir es auf der Seelenebene erfahren werden. Gefühle können sich jederzeit wandeln.

 

Warum malt der Mensch?

Wir lernen zuerst krabbeln und erheben uns dann, um laufen zu lernen. Auch die Fähigkeit zu malen und zu zeichnen erfolgt in Entwicklungsphasen. Schon im Alter von acht Monaten beginnen Kinder heutzutage damit, gerne flüssiges oder breiiges zu verschmieren. Sobald Kinder heute einen Stift halten können, beginnen sie zu kritzeln und nach der Kritzelphase entstehen schon die ersten Kopffüßler-Bilder. 

 

Die Geschichte der Malerei begann vor vielen Jahrtausenden. Felsbilder in den Höhlen von Altamira (Spanien), Lascaux (Department Dordogne) und vielen weiteren Orten zeugen von der kreativen-bildhaften Kraft unserer Ahnen.

 

Der Filmregisseur Werner Herzog porträtierte in seinem Dokumentarfilm „Die Höhle der vergessenen Träume“ die Chauvet-Höhle (Department Ardeche), die seit 2014 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Hier finden sich über 400 Wandbilder mit rund 1000 gemalten Tier- und Symboldarstellungen von Wollnashörnern über Höhlenlöwen bis hin zu einer Schneeeule. Bilder, die als Meisterwerken paläolithischer Höhlenkunst gelten und über einen Zeitraum von mindestens 6000 Jahre entstanden sind.

 

Unsere altsteinzeitlichen Vorfahren nutzen die Chauvet-Höhle, davon geht man heute aus, in zwei Zeiträumen. Die ältere Nutzungsphase begann vor 37.000 Jahren und dauerte 3.500 Jahre die Jüngere begann vor 31.000 Jahren und dauerte 3.000 Jahre. Doch was hat unsere altsteinzeitlichen Vorfahren bewogen, Höhlenwände zu bemalen?

 

Forscher glauben, dass die Felsmalereien auf animistische Glaubensvorstellungen hinweisen und dass in den Höhlen Kulthandlungen und Initiationsriten durchgeführt wurden. So gelten die Höhlen als Kathedralen der Frühzeit. Waren also die Höhlenbilder das Resultat magischer Handlungen, durch die eine günstige Jagd heraufbeschworen oder Fruchtbarkeit erbeten wurde? Liegt der Ursprung der Malerei also in der Magie?

 

Auf jeden Fall gehört damit die Malerei zu den ältesten elementaren Kulturtechniken, die der Mensch entwickelt hat. Im Lauf der nachfolgenden Jahrtausende wandelte sich der animistische Glaube zu diversen religiösen Ideen und brachte naturgegeben andere Bilder hervor. Der Glaube, dass einem Bild eine Macht innewohnt, blieb uns erhalten. Einige Religionen verboten deshalb die bildliche Darstellung ihrer Götter oder gingen in ihrem Bilderverbot noch weiter.

 

War das Bedürfnis des Menschen, sich malerisch auszudrücken nur magisch oder spirituell motiviert? Der schöpferische Hauch des bildhaften kondensierte sich im Lauf der Zeit im Alltäglichen und dem Besonderen. Für Plinius den Älteren, einen römischen Schriftsteller, begann die Malerei mit dem Schattenriss einer geliebten Person. Wollen wir bildhaft festhalten, was wir lieben und im Kern vergänglich ist? Beschwören wir damit unsere Liebe?

 

Auf unserem Lehrpfad gehen wir auch den unterschiedlichen schöpferischen Impulsen nach, die in den gemalten Bildern auf der Seelenebene sichtbar werden. Wenn wir uns mit der Malerei auseinandersetzen, stoßen wir unmittelbar auf den Begriff der Kunst. Betrachten Sie noch einmal Ulrikes Bild. Ist dieses Bild schon Kunst für Sie? Wo verläuft die Trennlinie zwischen profanen und kunstvollen Gemälden und existiert dieses geistige Konstrukt im seelischen Bereich? Erfahren wir auf der Seelenebene etwas über die Kunst? Wenden wir uns erst einmal einer Ikone der Malerei des 20. Jahrhundert zu:

 

Malewitschs Schwarzes Quadrat

Stellen Sie sich eine weiße Leinwand (79,5 cm x 79,5 cm) vor, auf der ein mit schwarzer Ölfarbe gemaltes großes Quadrat zu sehen ist. Erblicken ihre „geistigen Augen“ Kunst oder erhebt eine innere Stimme dagegen einen Einwand?

 

Der Künstler Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch (1878-1935) hat gleich mehrere schwarze Quadrate in seinem Leben gemalt. Das hier erwähnte Quadrat wurde in der Kunstausstellung 0,10  in Petrograd (19.12.1915-17.10.1916) gezeigt. Diese gilt heute als eine der wichtigsten Ausstellungen der Moderne.

 

Malewitsch war einer der Künstler, die die Bandbreite der russischen Avantgarde dort zeigten, auch waren sieben Frauen darunter. Das "Schwarze Quadrat" hing an der höchsten Stelle des Raumes mit der Bildfläche leicht schräg nach unten befestigt. Es nahm den Platz ein, den sonst traditionell einer religiösen russischen Ikone vorbehalten war. 0,10  war die letzte futuristische Ausstellung ihrer Art.

 

Die zeitgenössische Kunstkritik, die überwiegend bürgerlich konservativ war, rezensierte die Ausstellung zumeist negativ. Das schwarze Quadrat war ein Affront, es spottete einer realistischen und akademischen Malweise und wurde deshalb gnadenlos verrissen. Hat es vielleicht gerade deshalb einen solchen großen Stellenwert in der Kunstgeschichte erreicht?

 

„Die Welt als Empfindung der Idee, unabhängig vom Bild – das ist der wesentliche Inhalt der Kunst. Das Quadrat ist nicht das Bild. So, wie der Schalter und der Stecker auch nicht der Strom sind“, schrieb Malewitsch 1927.

 

Können wir das Bild, das als ein Meilenstein der Malerei gilt, nun besser verstehen? Was hat Malewitschs "Schwarzes Quadrat" magisch in der Kunst heraufbeschworen? Auf der Ausstellung "Bonjour Russland" 2007/2008 in Düsseldorf konnte man einige Werke Malewitschs bewundern, darunter auch ein schwarzes Quadrat der Größe 106 cm x 106 cm aus dem Jahr 1923.

 

Um Kunst zu verstehen, reicht es nicht immer aus, sie mit unseren Augen zu betrachten. Unser Geist braucht einen Kontext, um zu mindestens die moderne abstrakte Kunst zu verstehen. Das Gesamtwerk von Malewitsch, seine Biografie, seine Schriften, die Kritiken anderer, lassen uns mehr und mehr den Künstler und sein Werk verstehen.

 

Ein Bild, was wir spontan ablehnen, kann uns im Nachhinein faszinieren, wenn wir uns auf einen Erkenntnisprozess einlassen: Liebe auf den zweiten Blick.

 

Diese Herangehensweise ist intellektueller Natur. Auf unserem Lehrpfad lernen wir dagegen ein gemaltes Bild von einer seelischen Dimension aus zu erkunden und zu bewerten. Wenden wir uns jetzt drei unterschiedlichen Gemälden zu, um einen kleinen Eindruck dieser Dimension zu vermitteln. "Das Abendmahl" Leonardo da Vincis, Salvador Dalis "brennende Giraffe" und George Grosz' "Stützen der Gesellschaft" haben unterschiedliche Motive. Sie konfrontieren den Betrachter mit einem religiös-geschichtlichen, einem traumhaft-unwirklichen und einem gesellschaftskritischen Hintergrund.

 

Das Abendmahl

Der italienische Maler Leonardo da Vinci (1494-1498) schuf eines der berühmtesten Wandgemälde der Welt. Das Gemälde (422 cm x 904 cm) zeigt Jesus mit den zwölf Aposteln am Vorabend seiner Kreuzigung und gilt als Höhepunkt seines malerischen Schaffens und als ein Meilenstein für die Malerei der Renaissance.

 

Kunstkenner schwärmen von der korrekt wiedergegebenen perspektivischen Tiefe des Bildes, die die nachfolgende Malerei des Abendlandes stark beeinflusst hat. Andere suchen im Bild nach verstecken Botschaften da Vincis. Was wusste Leonardo über das, was die Kirche verschweigt oder als Häresie brandmarkt.

 

Auf der Seelenebene der Malerei entdeckt man „die Kraft des Glaubens“, die uns sprichwörtlich Berge versetzen lässt. Leonardo glaubte an die Wissenschaft – woran noch?

 

Die Merkel‘ sche Beschwörungsformel: „Wir schaffen das“ oder das Obama´sche: „Yes We Can“ konnten nicht ohne den Glauben an die Wahrheit der eigenen Worte wirken. Welcher Glaube treibt Greta Thunberg an und warum folgen ihr so viele?

 

Mangelt es Ihnen gerade in Ihrem Leben an Glaubenskraft oder befinden Sje sich aktuell in einer Glaubenskrise? Erkunden wir Leonardos Bild auf der Seelenebenem lernen wir viel über uns und die Kraft des Glaubens. Doch Vorsicht: "Nichts ist ohne Nebenwirkungen".

 

Die brennende Giraffe

Salvador Dali (1904-1989), Maler, Grafiker, Schriftsteller, Bildhauer, Bühnenbilder und Enfant terrible schuf dieses Bild 1937. Es kann im Kunstmuseum Basel bewundert werden. Über Dali, den bekanntesten Vertreter des Surrealismus, schrieb Sigmund Freud an Stefan Zweig:

 

„Wirklich, ich darf ihnen für die Fügung danken, die die gestrigen Besucher zu mir gebracht hat. Denn bis dahin war ich geneigt, die Surrealisten, die mich scheinbar zum Schutzpatron gewählt haben, für absolute (sagen wir zu 95 Prozent wie beim Alkohol) Narren zu halten. Der junge Spanier mit seinen treuherzig-fanatischen Augen und seiner unleugbar technischen Meisterschaft hat mir eine andere Einschätzung nahegelegt.“

 

Auf dem Bild (35 cm x 27 cm) sieht man zwei überlebensgroße, weibliche Figuren, die aus der Froschperspektive betrachtet werden. Die dem Bild seinen Namen gebende brennende Giraffe erscheint klein im Hintergrund. Das Bild erscheint voller Symbolik. Ein Feuer auf dem Rücken der Giraffe, das scheinbar derselben nichts anhaben kann, geöffnete Schubladen im Oberschenkel und der Brust der vorderen Figur, ein System von Krücken die das Gleichgewicht unterstützen.

 

Der Surrealismus hat sich wie die Psychoanalyse dem Unbewussten verschrieben und so liegt es Nahe, diese Bilder durch die freudianische Brille zu betrachten. Kastrationsangst, Impotenz-Trauma:  wie viel von sich zeigt uns Dali in seinem Werk?

 

Auf der Seelenebene der Malerei entdeckt man schnell das seelische Thema: "Die Vergänglichkeit". Zugegeben, psychologisch versiert kann man nach einigen Überlegungen auch zu diesem Ergebnis kommen. Wann aber habe ich behauptet, dass Geist und Seele sich nicht treffen können?

 

Die Entropie ist unerbittlich und lässt alles in Raum und Zeit vergehen. Mit dem Glauben an die unsterbliche Seele oder einem ewigen Leben bedacht entziehen wir uns geschickt einer physikalisch-materiellen Wirklichkeit, denn etwas in uns will überleben. Doch schon vor dem unvermeidlichen Tod, der das Unsterbliche in überschaubare reinkarnierte Episoden teilt, beginnt der Zerfall. Schönheitschirurgen, Fitnesstrainer, Therapeuten und Pflegekräfte leben davon.

 

Stellen wir uns lieber der Vergänglichkeit. Dalis Bild besitzt, wenn wir spirituell arbeiten, diese eigentümliche Kraft, die im Leben erworbenen Falten und Narben, seien sie körperlicher, seelischer oder geistiger Natur, akzeptieren zu lernen, statt sie zu leugnen oder kaschieren zu wollen.

 

Die Stützen der Gesellschaft

So heißt der Titel eines Bildes von Georg Grosz (1893-1959) aus dem Jahr 1926, das man in der Nationalgalerie in Berlin besichtigen kann. Grosz war überzeugter Gegner des Nationalsozialismus und bildlich betrachtet ein Vertreter der neuen Sachlichkeit. Er emigrierte Anfang der 1930er-Jahre in die USA und sein Werk wurde als „Entarte Kunst“ gebrandmarkt.

 

Das Ölgemälde (200 cm x 80 cm), das namentlich an ein Drama von Henrik Ibsen erinnert, verdeutlicht allegorisch die Zustände der damaligen Weimarer Gesellschaft. Grosz karikiert dazu in diesem Bild typische Repräsentanten dieser Republik. Kann man dieses Bild ohne geschichtliche Kenntnisse würdigen?

 

Betrachten wir das Bild auf der Seelenebene der Malerei, so spüren wir seine Botschaft: "Das Unheil kommt".  Ahnte Grosz, als er das Bild malte, was ein paar Jahre später mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus auf die Welt zukommen würde? Seine Seele sicher. Die Aufmerksamkeit des Betrachters bleibt nicht bei der Kritik der Verhältnisse hängen, sondern bei dem antizipierten Unheil.

 

Was kann das Bild uns heute lehren? Werden wir sensibilisiert für Entwicklungstendenzen? Vorzeichen für neues kommendes Unheil gibt es genug. Glücklicherweise gilt, dass so lange ein Unheil noch nicht eingetreten ist, noch die Hoffnung besteht, es abwenden zu können. Und so fragen wir uns: Gibt es Bilder, die die Einsicht und die Hoffnung stärken?

 

Können Bilder die Welt verändern?

Malewitschs Kunst rief Widerstand hervor. Auch hundert Jahre später werden viele im schwarzen Quadrat "nur" ein schwarzes Quadrat erblicken und nicht mehr. Um Malewitschs Bilder als Kunst zu erfahren, bedarf es unserer Bereitschaft, die gewohnten  Sichtweisen zu hinterfragen und die persönlichen Grenzen zu überschreiten. Sein schwarzes Quadrat (nebenbei bemerkt ich bin eher ein Fan seines 1917 erschaffenen Bildes zweier weißer Quadrate) veränderte die Welt der Kunst und damit auch ein wenig die Welt an sich.

 

Auch vor  Malewitsch brachten Maler und ihre Kunst neue Sichtweisen in die Welt und veränderten die vorherrschenden Sehgewohnheiten. Kunst besitzt diese eigentümliche Kraft, die Menschen auf das Kommende und Neue vorzubereiten. Im gemalten Bild schläft das Potenzial des Subversiven, wie in jeder anderen Kunstgattung auch. 

 

Die Geschichte der Malerei mag in den Höhlen begonnen haben, geblieben ist sie dort keineswegs. Der göttliche  Imperativ: "Sei kreativ" führte zur Entwicklung von immer neuen Malutensilien, Maltechniken. Er brachte neue Sichtweisen des bildhaften und veränderte Schwerpunkte bei der Bildgestaltung hervor. Jeder neue Kunststil hatte seine Anhänger und Befürworter sowie seine Gegner hervorgerufen. Einige Bilder ragen aus dem Pool gemalter Bilder einer Stilrichtung hervor und verleihen dem Künstler etwas Unsterblichkeit.  Manchen Künstler ereilt dieses Schicksal schon vor ihrem Tod, andere fehlte zu Lebzeiten die Anerkennung. Van Goghs Werk bringt heute Millionen auf dem Kunstmarkt und posthum verneigen wir uns vor seinem Genius, er aber blieb zu seinen Lebzeiten arm und kaum beachtet.

 

Die Frage, ob Bilder die Welt verändern können, kann man getrost bejahen. Für die Welt der Kunst gilt das auf jeden Fall. Durch die gemalten Bilder kam ein Stein ins Rollen, der Siegeszug des bildhaften begann zu sprießen und andere Kulturtechniken entwickelten sich. Die Erfindung der Schrift ermöglichte Literatur, die Jurisprudenz und Steuererklärungen. Der Buchdruck vereinfachte die Reproduktion. Die Fotografie machte das Porträt erschwinglich. Vom Film ging es  weiter zum Fernsehen und die sozialen Medien bewegen heutzutage Unmengen von Bildern.

 

Das Visuelle bestimmt und beeinflusst eindeutig unser modernes Leben. Es suggeriert das nächste Must-have genauso wie den angesagten Style. Worauf begründet sich Attraktivität? Schönheitsideale unterliegen dem Wandel des Zeitgeistes. Besonders Frauen unterwerfen sich modischen Trends und lassen sich einiges Einfallen um sich selber als attraktiv empfinden zu können. Heute wird gephotoshopt (heißt: bildlich geschummelt), um so zu wirken, wie man nicht ist. Diese Trugbilder makellosen Seins, verzehren die Selbstwahrnehmung.

 

Wenden wir uns  nun wieder den gemalten Bilder zu. Die Themen Fotografie und Film werden in separaten Lehrpfaden als Ergänzung angeboten.

 

Entfalte dein Potential!

Dieser Aufforderung vermag nicht jeder folgen. Vielleicht, weil jenen der Ehrgeiz fehlt oder sie nicht wissen, worin ihr Potential liegen könnte und wie man es dann entfalten kann. Hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben ist im Zeitalter der permanenten Selbstoptimierung ein richtige NO GO.  

 

Nobody is perfect. Trotz  allgemeinen Defizite oder gerade deswegen hat sich der Mensch, als ein kultur(er)schaffendes Wesen etabliert. Ob Malerei, Musik, Literatur, Astronomie, Philosophie, Technik, Medizin oder die Mode: Das Kulturelle liegt uns scheinbar in dem Blut oder den Genen. 

 

Wir alle kommen mit Stärken und Schwächen auf die Welt und uns werden im Leben Chancen gegeben oder verwehrt. Wie wir damit umgehen, macht - so meine ich- unsere Persönlichkeit aus. In diesem Spannungsfeld zwischen Gegebenen und dem scheinbar Möglichen reifen oder verfaulen wir. Menschen sind unterschiedlich veranlagt und daraus ergeben sich die vielen Möglichkeiten und Konzepte, das Leben zu führen und zu begreifen.

 

Was hindert uns daran, unsere Möglichkeiten auszuloten? Ist es die viel beschworene Macht des Unbewussten mit den offiziell vergessenen Situationen, in denen wir jenen glaubten, die zu uns sagten: Dafür bist du zu klein, das kannst du nicht, Träume sind Schäume, du hast kein Talent zum Malen, du kannst einfach nicht rechnen, aus dir wird nichts, du bist unser Sorgenkind, du wirst schon sehen, was du davon hast, du bringst mich noch ins Grab?

Solche prophetischen Aussagen stutzten unsere Veranlagungen frühzeitig auf ein Mittelmaß zurecht und entmutigten die Seele. Sind diejenigen glücklicher im Leben dran, denen einst glaubhaft gesagt wurde: Das schaffst du, wir glauben an dich, du bist was ganz Besonderes, du hast Talent, aus dir wird was im Leben?Erfüllen sich solche Prophezeiungen automatisch von selbst oder liegt hier schon die Hybris auf der Lauer?

 

Wenn man diese rückbezügliche Blickrichtung als ausschlaggebend für seine persönliche Entwicklung annimmt, landet man unweigerlich im therapeutischen Bereich, mit einer Vielzahl unterschiedlicher Methoden und Erklärungsmodelle.

 

Im Gegensatz zu therapeutischen Methoden glaube ich an die positive Kraft der Kunst und des Glaubens. Unsere Methode, die nur unter dem programmatischen Namen "Die Kraft der gemalten Bilder" läuft, fördert die persönliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler und Klientinnen und Klienten durch die spirituell unterstützte Beschäftigung mit der Malerei. 

 

Die Seelenebene der Malerei

Was ist eigentlich eine Seele? Diese Frage beschäftigt die Menschen seit Jahrtausenden. Fragen wir Philosophen, Theologen, Psychologen oder Neurowissenschaftler, zeichnet sich zu mindesten eines klar heraus: Niemand weiß wirklich etwas und jeder glaubt an ihrer Existenz. Aus der Bibel erfahren wir,  dass Gott einen von ihm geformten Lehmklumpen zum lebendigen und beseelten Adam, was auf Hebräisch Mensch bedeutet, werden ließ, indem er ihm das Leben einhauchte und kurz darauf auch noch ein weibliches Pendant erschuf. Und seit Adams und Evas Zeiten fühlen wir uns als eine beseelte, gottgewollte Krone der Schöpfung. 

 

Auch wenn Uneinigkeit über das Wesen der Seele vorherrscht und ein unsterblicher Kern unserer Existenz vielen Menschen unglaubhaft erscheint, erfahren wir das Seelische über die Gefühle. Es ist die Seele, die trauert und den Körper weinen lässt. Es ist der Geist, der häufig dem angemessenen Gefühlsausdruck den Kampf ansagt und ihn unterbinden möchte. 

 

Um meine spirituelle Arbeit zu beschreiben, benutze ich folgendes Bild. Die Seele gleicht einem Wolkenkratzer, der von unserer Realität in den Himmel führt. Jede Etage ist gefüllt mit Wohn- und Geschäftsräumen. Nur die wenigsten dieser Räume sind uns bewusst und einige werden für immer unbewusst bleiben. Auf einer Etage weisen uns die Moiren unser Schicksal zu und lassen vielleicht drei Etagen über uns ein Wasserrohr platzen. Wochen, Jahre oder einige Leben später flutet dann das Nass als Karma unsere Realität.

 

In vielen dieser Räume bleiben wir nicht auf uns selbst beschränkt. Dort können wir Engel, Elfen, Feen oder andere Seelen zum Besuch einladen - hier entfaltet sich ein andersweltlich-orientiertes Seelenleben, das unsere Realität umhüllt, durchdringt und zugleich formt. In diesem Kontext bedeutet spirituelle und persönliche Entwicklung, die verschiedenen Räume der Seele zu erforschen und auch einzurichten.

 

Auf dem Lehrpfad wird ein Raum Ihrer Seele gestaltet, der seit Leben ungenutzt oder noch nie betreten wurde. Hier entsteht ihr persönliches Atelier mit Staffeleien, Farben, Bilderrahmen, Pinseln und sonstigen Utensilien: Regalen mit Büchern über Kunst, ein Atelier mit angrenzenden Ausstellungsräumen für eine wechselnde private Kunstsammlung. Das Interieur dieser Räume verändert sich in der Zeit mit Ihrem seelischen Wachstum. 

 

In diesem Atelier auf der Seelenebene der Malerei lernen Sie die Gemälde anders wahrzunehmen, die ihre Augen betrachten. Das Bild wird zum Katalysator für eine Schulung der Seele. Während Ihre Augen also Malewitschs Schwarzes Quadrat betrachten und Ihr Geist sich noch fragt, was das soll, erfährt die Seele das Werk schon als Kunst und beginnt seiner Botschaft zu lauschen.

 

Diese Form einer erweiterten Wahrnehmung ist für die Schülerinnen und Schüler zuerst anstrengend. Aber genau diese Tatsache ist ein erstes Indiz dafür, dass an der Methode etwas dran sein muss, wenn die Augen müde werden.

 

Erfahrungen

Seit dreieinhalb Jahren unterrichte ich diese spirituelle Methode, die die Sehgewohnheit verändert. 

 

Die Erfahrungen der Schüler zeigen, dass das Konzept der Seelenschulung im künstlerischen Metier Früchte trägt.  Sie bekommen ein tieferes Verständnis für die Malerei und können, durch das spirituell unterstützte betrachten von Gemälden, persönliche Entwicklungsprozesse für sich und Andere anregen und unterstützen. 

 

Auch bei dieser Methode gilt, dass für eine beabsichtigte therapeutische Intervention, der gesetzliche Rahmen beachtet werden muss. Ausgebildete und staatlich anerkannte Therapeuten können jedoch auch beruflich von dieser Methode profitieren.

 

Der Lehrpfad richtet sich an spirituell interessierte  Personen, die für die Kunst der Malerei offen sind. Der Lehrpfad wird begleitet von den fünf Erzengeln Michael, Rafael, Uriel, Gabriel und Remiel und dem aufgestiegenem Meister Hilarion.

Jürgen Krzistetzko, 15.08.2019