Wenn die Seele mitlesen lernt

Bücher verändern die Welt heißt es. Meine persönliche Welt wuchs und wächst weiterhin mit ihnen stetig. Als ich 2014 als Medium und spiritueller Lehrer mit dem neuen Lehrpfad begann, konnte ich eine weitere Leidenschaft mit der spirituellen Arbeit verbinden. Seitdem bringe ich Schülern das Lesen auf der Seelenebene nah. Eine spirituelle Methode bei der die Seele das Gelesene, nicht nur den Geist gefiltert, wahrnimmt. "Vom Geist der Literatur" heißt und handelt dieser Lehrpfad. In diesem Essay (Lesedauer:  ca. 14 min) gebe ich einen kleinen Einblick in diese Methode, die sie zur Zeit nur bei uns erlernen können.

 

 

 

"Ich stelle fest, dass es letztlich nichts Schöneres gibt als zu lesen",

schrieb Jane Austen in ihrem Roman "Stolz und Vorurteil". Dieser Meinung können sich sicherlich sofort viele Bücherwürmer und Leseratten widerspruchslos anschließen. Austens Werk gehört zu den Klassikern der englischen Literatur und erfreut sich einer weltweit zahlreichen Leserschaft. Zahlreiche Verfilmungen zeugen von einer zeitlosen Akzeptanz ihres Werks.

 

Und so entschied sich die Bank von England Austen zum 200 Todestag besonders zu ehren. Sie brachte eine 10 Pfund Note mit dem Konterfei Austens und dem eingangs erwähnten Satz aus. Das sorgte im Nachhinein für eine gewisse Häme, denn in dem Roman Stolz und Vorurteil, werden diese Worte von Frau Caroline Bingley, die selber weniger belesen aber dafür umso mehr durchtrieben ist, mit einschmeichelnder Absicht gesprochen. Konnte der Adressat Mr. Darcy dieses Manöver von Caroline, sich scheinbar für Literatur interessierend ausgebend, durchschauen? Die Bank von England tat es offensichtlich nicht.

 

Wenn Sie im Gegensatz von Frau Bingley wirklich gerne lesen ist unser Lehrpfad „vom Geist der Literatur" genau der Richtige um sich inspirieren zu lassen und eine positive persönliche Entwicklung anzustoßen. Den hier lernen Sie „das Lesen auf der Seelenebene" zu praktizieren. Dahinter verbirgt sich keine neue Lesetechnik wie z. B. das Speed-Reading, bei dem Texte möglichst schnell gelesen und begriffen werden sollen oder dem Slow-Reading, dass uns mehr Genuss und Verständnis verspricht, sondern eine erweiterte Wahrnehmung. Es geht um die seelische Wahrnehmung des Gelesenen.

 

Von der viktorianischen Schriftstellerin George Eliot stammt folgendes Zitat: „Echte Poesie kann kommunizieren, bevor sie verstanden wird. Der Sinn wird zuerst von der Seele und nachher vom Verstand erfasst.“ Elliots Vorstellung trifft sich mit unserer. Es geht uns beim Lesen um eine seelisch Erfahrbarkeit, die uns wachsen lässt. 

 

Entfalte deine Persönlichkeit!

Dieser Aufforderung nachzukommen, ist mehr als nur einem Gebot der Stunde zu folgen oder einer dem Zeitgeist geschuldeten Selbstoptimierung zu erliegen. Das inhärente Bestreben des Menschen nach Selbstausdruck kommt hier zu Geltung. Für Erich Fromm, den deutsch-US-amerikanischen Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologen galt gar die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und der des Mitmenschen als das höchste Ziel des menschlichen Lebens. Auch das Grundgesetz verankert schon im 2. Artikel das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit und zeigt auch seine Grenzen auf.

 

Nicht jeder ist strebsam und darf deshalb auch so bleiben wie er ist. Für alle Andere stellt sich die Frage: "Wie verändere ich mich zum Besten?" Oder aber: "Was will ich erlernen?" Unter Persönlichkeitsentwicklung versteht man allgemein das Wachstum der eigenen Person in eine bestimmte positive Richtung. Die Eigenschaften oder die Fähigkeiten, die sich entwickeln, sind von Person zu Person unterschiedlich. Die persönlichen Interessen und beruflichen Ambitionen bilden einen Bezugsrahmen für die eigene Entwicklung. Besonders das Berufliche motiviert uns unsere Wohlfühlzonen zu verlassen. Wer die Karriereleiter erklimmen will, sollte Eigeninitiative zeigen, klar und deutlich kommunizieren können,  sich als teamfähig erweisen, sich für seine Aufgaben begeistern können, heutzutage empathisch und kulturell offen sein, weiterhin Führungsqualitäten besitzen, belastbar und widrigen Umständen trotzen können. Wer dazu auch noch das gewisse Charisma besitzt, kann es weit bringen in Politik, Wirtschaft und der Mafia.

 

Persönliche Entfaltung ist eine "never ending story", stellt uns doch das Leben in jedem Alter neue Fragen und Aufgaben. Manch einem macht es  Angst. Der Slogan des lebenslangen Lernens kann sehr demotivierend wirkend. Aber auch diese Hürde kann in jedem Alter übersprungen werden.

 

Der Bereich der Persönlichkeitsentwicklung umfasst alle Facetten des Lebens. Die Fertigkeiten oder Fähigkeiten, die wir im Leben erlangen können, sind weit gestreut. Nicht alles können wir uns immer selbst beibringen. Im Allgemeinen brauchen wir Unterstützung. Wer hilft uns dabei,

  • sich besser zu motivieren und am Ball bleiben zu können,
  • überzeugender zu reden und sich selbstbewusst zu geben,
  • einfühlsamer, konfliktfähiger und achtsamer zu werden,
  • besser zu singen, tanzen, schreiben oder zu malen, 
  • perfekt Französisch zu sprechen oder Schach zu spielen,
  • stressresistenter und beweglicher zu werden,
  • Selbsterkenntnis zu erlangen und unsere  Menschenkenntnis zu verbessern, 

die Frustrationstoleranz zu erhöhen und Verantwortung zu übernehmen? Es sind Coaches,  Therapeuten, Lehrer, Trainer und Angehörige anderer Berufsgruppen die uns professionell helfend unter die Arme greifen können. Jeder hat seine Methoden und sein Metier. Wir lehren und beraten medial und fördern inhärent die spirituellen Fähigkeiten von Schülern und Klienten, selbst wenn wir uns mit alltäglichen Problemen befassen.  

 

Wenden wir uns nun dem Geist der Literatur und dem Lesen auf der Seelenebene zu.

 

Wie alles begann

"Ohne Krimi geht die Mimi nie Bett", besang Bill Ramsey 1962 das Leid. eines Mannes der durch die Leidenschaft seiner Frau regelmäßig um seine Nachtruhe gebracht wird und deshalb, seine Abende in die Kneipe verbringen muss. Mimis Leidenschaft für das Genre des Kriminalromans teilen auch heutzutage die meisten Leser. Auf Platz 2 und 3 der meistgelesenen Büchern folgen, die Thriller und die Ratgeber, letztere erfreuen sich schon seit der Erfindung des Buchdruckes besonderer Beliebtheit bei den Lesern.

 

Beim Krimiautor, meinte Loriot, ist das Böse in guten Händen. Dass dem Kriminalroman zu Unrecht der Geruch des trivial-literarischen anhaftet beweisen viele namhafte Autoren und ihr Werk. Auch wer Krimis nicht mag, kennt  sicherlich einige Autoren dieser Zunft und die Namen ihrer Protagonistin. Agatha Christie und ihre unvergleichliche Miss Marple, Raymond Chandlers  Privatdetektiv Philip Marlow  oder Simeons Kommissar Maigret. Film und Fernsehen haben diese Autoren und Figuren schon frühzeitig entdeckt und auch so für ihren Bekanntheitsgrad gesorgt. Mich selbst animierte erst der Film "Fahr zur Hölle, Liebling" mit Robert Mitchum und Charlotte Rampling, den ich im Fernsehen sah, dazu mich auch den Krimis lesend zuzuwenden.  

 

Mit dem literarischen Genre des Kriminalromans begann Januar 2014 ein Reigen literarisch-spiritueller Seminare, die vom Geist der Literatur handeln und den Schülern die Fähigkeit des "lesen auf der Seelenebene" und seiner Möglichkeiten vermittelt. In den vergangenen 7 Jahren streiften meine Schüler und ich bislang die Genres der Kriminal-, Jugendbuch-, Abenteuer-, Horror-, Vampir- der SFI-Literatur und weitere Sparten.  Wer diesen Lehrpfad bestreitet sollte sich deshalb nicht scheuen auch mal Bücher eines ungewohnten Genres zu lesen.

 

Eigentlich begann es viel früher, den bis ich einen neuen Lehrpfad unterrichten kann bedarf es eigentlich einer gründlichen geistig-seelischen Vorbereitung. Morgana's Märchenarbeit und Ulrikes Seele der Poesie legten den Grundstein für diesen neuen Lehrpfad. Doch wenden wir uns erst einmal dem Lesen allgemein zu.

 

Vom "normalen" Lesen

Das die Kulturtechnik Lesen konsequenterweise dem Schreiben auf dem Fuß folgt. Der Ursprung der Schrift liegt noch im Dunkeln verborgen. Doch Schreiben und Lesen gehört zu den jüngeren Kulturtechniken, die der Mensch entwickelt hat. Keilschrift, Hieroglyphe, etc.  nur ein paar tausend Jahre alt ist das entdeckte Schriftliche. Und es hat lange gedauert bis das Lesen und Schreiben zum Allgemeingut wurde. Erst mit der Erfindung des Buchdrucks und wirtschaftlichen Notwendigkeiten kam der Stein ins Rollen und Lesen und Schreiben wurden fortan unterrichtet. Erschreckend ist jedoch die Tatsache, dass trotz eines guten Bildungsangebots, die Lese- und Schreibfähigkeit, die Fähigkeit komplexe Sachverhalte zu verstehen bei vielen Bürger unterentwickelt ist. Ein funktionaler Analphabetismus grassiert und viele Ämter und andere Institutionen sind inzwischen deshalb dazu übergegangen ihr Angebot deshalb zusätzlich in vereinfachter oder leichter Sprache zu verfassen. 

 

Der Anteil funktionale Analphabeten, laut zweier Studien betrug  14 % (im Jahr 2011) und  12 % (im Jahr 2019). Dieses ist nur eine kleine Verbesserung. Es bleibt noch viel zu tun bis Lesen und Schreiben ein Allgemeingut geworden sind. . Der Umgang mit Sprache liegt grade im gesellschaftspolitischen Zeitgeist. Gendern ist IN und politische Korrektheit ein Muss. Wer stolpert noch über Sternchen und Doppelpunkt. Die neuen Sprach,  Lese und Schreibhürden etablieren sich ungeachtet dessen wer ihnen folgen vermag. 

 

Ich selbst begann sehr früh in der Schule mit Begeisterung zu lesen, Orthografie und Grammatik blieben mir dagegen ein Buch mit sieben Siegeln. Lesen, das was damals vorwiegend Abenteuer. Ich zog mit Old Shatterhand gegen Westen und beweinte mit 11 bitterlich Winnetous Tod (Welchen Teufel hatte damals Karl May wohl beim Schreiben geritten?), erforschte mit Kara Ben Nemsi den Orient. Später dann  folge ich anderen Autoren. Jules Vernes Abenteuer  zogen mich in den Bann und so reiste ich mit Phileas Fogg in 80 Tagen um die Welt, folgte Professor Otto Lidenbrock zum Mittelpunkt der Erde oder verbrachte mit Kapitän Nemo 20000 Meilen unter dem Meer. Dann folgten Hans Dominiks Romane. Die Macht der Drei, Befehl aus dem Dunklen, Atomgewicht 500 und so ging es weiter fort, bis sich der Unterhaltungswert der Lektüre dem Bildungsaspekt unterwarf. Bücher über Psychologie und Philosophie zogen mich ab 17 magisch an Der "anspruchsvolleren Literatur" eines Bildungsbürgertums dagegen öffnete ich mich erst viel später.

 

Wir lesen Bücher, Zeitungen und Illustrierten um uns zu unterhalten, zu informieren, weiterzubilden vielleicht aber nur aus Langeweile oder uns abzulenken. In den letzten Jahren ist ein weiter Grund, weswegen man lesen sollte,  populär geworden. Lesen kann heilsam sein. Seit den 70ern Jahre des letzten Jahrhunderts entwickelte sich die Wissenschaft der "Poesie- Bibliotherapie" und das Buch wurde kurzerhand zum therapeutischen Medium erkoren. Ich Zitiere kurz mal aus Wikipedia:  

 

"Zu den Zielen der Bibliotherapie gehört, kognitive und emotionale Verarbeitungsprozesse bei den Lesern zu unterstützen, Informationen bereitzustellen, die dazu beitragen, seine Einstellungen und sein Verhalten zu verändern. Lektüre vermag dem Leser Einsicht in seine Probleme zu vermitteln, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, ihm Vergleiche mit anderen Menschen zu ermöglichen und Mut zur Veränderung machen."

 

Dieser Textpassage lässt vermuten, dass unser spiritueller Lehrpfad, der vom Geist der Literatur handelt, einige Berührungspunkte, wenn nicht gar Überschneidungen, mit der "Poesie-und Bibliotherapie" aufweist. 

 

Der springende Punkt ist, das "Lesen auf der Seelenebene" das den Bereich des  "normalen Lesens" verlassen oder erweitern.  Bei dieser Lese-Technik initiiert das "normale Lesen" ein spirituellen Lernprozess, der parallel zum Lesen erfolgt. Der spirituelle Lernprozess findet auf der "Seelenebene der Literatur" in einem persönlichen Seelenraum statt. Das "Lesen auf der Seelenebene" ist ein halbbewusstes Multitasking, das auch Männer bewältigen können.  Wir begeben uns beim Lesen in einen Seelenraum.

 

Der Seelenraum Universalbibliothek

 "Was würde passieren, wenn ich Ihnen einen Schlüssel, zu einem privaten seelischen Raum geben könnte? Einen Schlüssel zu einer Bibliothek, die für sie ein Ort des Schmökerns, der inneren Ruhe, der Lernens und des persönlichen Wachstums werden wird. Eine Bibliothek deren Buchbestand und Räumlichkeiten sich mit ihrer seelisch-spirituellen Entwicklung weiter entfalten wird. Eine Bibliothek, in der sie auch andere Seelen einladen können, um sich sich der persönlichkeitsfördernden Kraft der Literatur zu öffnen, sei es bei Vorträgen, Lesungen, Buchbesprechungen oder Schulungen, die in den Räumlichkeiten ihrer Bibliothek stattfinden. Würden Sie einen solchen Schlüssel besitzen wollen?"

 

Seelenebene, Seelenräume, Seelenschulungen, spirituelle Lernprozesse - böhmische Dörfer für Uneingeweihte. Der Begriff der Seele unterliegt kulturellen Deutungen.  Während die Psychologen versuchen das Seelische zu vermessen (,Sigmund Freud sah in der Traumdeutung den Königsweg zur Seele,) wenden sich Theologen, Philosophen und spirituelle interessierte dem Thema aus anderer Sicht zu. Alle rücken dabei dem Seelischen mit dem Geistigen* zu Leibe, um das Erfahrbare zu beschreiben. Die Seele, immateriell, eher fühlbar als begreifbar, bleibt letztendlich doch ein Mysterium. 

 

Erinnern wir uns an das Zitat von George Elliot, in der über die "echte Poesie" gesagt wurde, das sie zuerst die Seele erreicht bevor sie der Verstand erfassen kann. Dies erinnert an schockverliebt sein. Was also kann die Seele berühren ohne das es erst durch den Geist gefiltert wird. Eine der richtigen Antwort lautet Kunst, obwohl richtig, bringt uns die Erklärung an dieser Stelle jedoch nicht weiter.

 

"Seelen berühren einander", diese Erkenntnis und Erfahrung liegt unserer spirituellen Arbeit zugrunde. Lassen Sie sich für einen Augenblick auf folgende Vorstellungswelt ein, dass unsere Seele (genaugenommen nur ein Teil unserer Seele), unbemerkt von unserem Tagesbewusstsein, im regen Austausch mit anderen (,nicht notwendigerweise menschlichen,) Seelen steht. Die Ebene, auf der diese Kommunikation stattfindet, bezeichnen wir einfacher halber als Seelenebene. Das eine solche kommunikative Ebene existiert und man diese auch erforschen kann, zeigen nicht nur die Erfahrungen unserer Schüler. Jeder der interessiert und gewillt ist kann seine persönliche Wahrnehmung so verfeinern, das diese Ebene zu einem bewussteren Teil seines Selbst wird. 

 

Während wir unser bewusstes Leben leben, vermag unsere Seele nebenbei auf der Seelenebene im Austausch mit anderen Seelen etwas lernen, dass sich unbewusst verankert um dann dann in unsere Realität bemerkbar macht. So entsteht häufig dass was wir unter Eingebung oder auch Geistesblitz verstehen und erfahren. Wenn wir diese Vorstellungswelt zugrunde legen, kann man das "Lesen auf der Seelenebene" wie folgt beschreiben. Während sie bewusst lesen, ist ihre Seele nebenbei auch in der Bibliothek mit dem gelesenen beschäftigt und wird davon  direkt berührt. Spinnt man diesen Gedankengang weiter und reichert man die zu bewältigende "Arbeit auf der Seelenebene" an, dann wird aus einer Lesung eine Schulung unserer Seele werden. Es ist also zu erwarten, dass das Resultat vom "normale lesen" und dem "Lesen auf der Seelenebene" sich unterscheiden werden. Die Bedeutung eines Buchs verändert sich mit der Art des Lesens. Soweit die Theorie, die durch unserer Praxis bestätigt wird. Anhand eines bekannten Romans verdeutlichen wir nun den Unterschied. 

 

Orwells 1984

Der dystopischen Roman, aus dem Jahre 1949 erzählt eine beklemmende Geschichte aus einer Welt der totalen Überwachung und  verdrehter Wahrheiten.  Eine Mahnung vor totalitären Regimen, die den damaligen Leser in Richtung der Sowjetunion und Stalin blicken ließen.

 

Anfang der 80er lasen viele Orwell 1984 nicht nur wegen des nahenden Datums, sondern in Hinblick auf den entflammten gesellschaftspolitischen Diskurs um die Volkszählung [2], unter der schon bekanntlich Maria und Josef zu leiden hatten.  Seitdem ist "Big Brother ist watching you", ein geflügeltes Wort für einen allmächtigen Überwachungsstaat das man aber auch gerne seinen streng kontrollierenden Eltern entgegenwirft.

 

Wieder populär wurde 1984 durch Donald Trumps kreativen Umgang mit der Wahrheit. Alternative Fakten schaffen und Nachrichten als Fake-News brandmarken. Wie nachhaltig das Festhalten am "doch offensichtlich falschen" ist, musste grade die Republikanerin Liz Cheney erfahre. Sie, die die Donald Trumps Wahlbetrugs Unterstellungen nicht mittragen wollte, wurde von der Partei geschasst. 

 

Lesen wir heute Orwell so denken wir vielleicht an China. Der Staat erhöhte die Kontrolle seines Volkes durch die Einführung eines Sozialkredit-Systems. Unzählige Kameras und Spezial-Software verfolgen jeden Schritt der Bürger. Modernste Gesichtserkennungs-Software erlaubt die totale Kontrolle. Was immer sie tun, fließt in ein Punktekonto ein, dessen Stand zum Beispiel darüber bestimmt, ob man reisen darf oder nicht. Wie immer in solchen totalitären Systemen profitieren einige Personen davon, Kritiker dagegen laufen Gefahr in einem Umerziehungslager der Partei zu landen. Wurde hier Orwells 1984 hier als Blaupause missbraucht?

 

Ein Aspekt von Orwells Roman der von Liebe, Widerstand, Wahnsinn und Wahrheit in einer Welt der totalen Überwachung handelt, wird heute gerne als Argument in der aktuellen Diskussion um das Gendern aufgegriffen. Ist Gendern wirklich als ein diktatorisch verordnetes  Neusprech anzusehen? Wird da nicht, dass Kind mit dem Bade ausgeschüttet? Ich bin mir sicher, das Interesse an Orwells 1984 wird auch den folgenden Jahrzehnten immer wieder erweckt werden. 

 

Wenn wir lesen, fließt automatisch der herrschende Zeitgeist mit in das Gelesene ein. Auch die Qualität der Übersetzung spielt bei fremdsprachiger Literatur eine Rolle.  "Traduttore traditore" sagt ein italienisches Sprichwort: "Der Übersetzer ist ein Verräter". Er gibt den Text preis und übt damit Verrat an dessen Wahrheit. Es sind die Übersetzer, die die Weltliteratur schufen. Ich empfinde es als sehr absonderlich, was für nicht-sprachliche Ansprüche an die Übersetzer des Armanda Gorman Inaugurations-Gedicht gestellt wurden. Sollte nicht der übersetzte Text für sich und auch die Qualität des Übersetzers sprechen?

 

Was entdecken wir, wenn wir den Roman auf der Seelenebene lesen? Der Seele haftet etwas Zeitloses an und damit auch der Botschaft des gelesenen. Unsere seelische Aufmerksamkeit wird nach und nach auf den Aspekt der Intimität gelenkt und am Ende spüren wir, wie Orwells seelische Botschaft an die Seelen der Lesenden lautet: 

 

"Schützt die Intimität". 

 

Woran denken wir, wenn wir den Begriff Intimität [3] lesen? Tauchen dann Begriffe wie Geborgenheit, Nähe  oder Angst und Enttäuschung auf? Denken sie mehr an körperliche oder mehr an seelische Aspekte? Wenn wir beginnen diesen Begriff auszuloten, erkennen wir wie wichtig die Erfahrung der Intimität  für unsere persönliche seelische Entwicklung ist. Nicht nur Psychologen beschäftigen sich mit diesem Begriff. Einen interessante Sichtweise, die mir sehr gefällt, habe ich im Internet gefunden:

 

 „Jeder Mensch hat Angst vor Intimität – wichtig dabei ist die Frage, ob man sich dessen bewusst ist oder nicht. Intimität bedeutet, sich vor einem Fremden zu entblößen – und wir alle sind Fremde für einander, keiner kennt einen anderen wirklich. Wir sind sogar Fremde für uns selbst, denn wir wissen nicht, wer wir sind.

 

Intimität bringt uns einem Fremden nahe. Man muss alle Abwehr loslassen, nur dann wird Intimität möglich. Und wenn man jede Abwehr, alle Masken fallen lässt, wer weiß, was der Fremde einem dann antun wird! Daher die Angst. Wir alle verbergen tausend Dinge, nicht nur voreinander, sondern sogar vor uns selbst, weil wir von einer kranken Menschheit aufgezogen wurden, mit allen möglichen Formen der Unterdrückung, Verdrängung, Repressionen, Tabus. Und bei einem Fremden – und es spielt keine Rolle, ob man mit diesem Menschen schon 30 oder 40 Jahre zusammenlebt; die Fremdheit verschwindet nie – es fühlt sich sicher an, eine kleine Abwehr, eine kleine Distanz aufrecht zuhalten, weil sonst jemand deine Schwäche ausnutzen könnte, deine Zartheit, deine Verletzlichkeit. Man muss alle Abwehr loslassen, nur dann wird Intimität möglich. Wir alle verbergen tausend Dinge, nicht nur voreinander, sondern sogar vor uns selbst. Jeder Mensch hat Angst vor Intimität.

 

Das Problem wird noch komplizierter, weil jeder Mensch sich Intimität wünscht. Jeder möchte Intimität, weil er sich sonst allein in diesem Universum fühlt – ohne Freund, ohne Geliebten, ohne jemanden, dem er vertrauen kann, ohne jemanden, vor dem er all seine Wunden offen legen kann. Und die Wunden können nicht heilen, solange sie nicht offen sichtbar sind. Je mehr man sie verbirgt, desto gefährlicher werden sie. Sie können zu Geschwüren werden.

 

Intimität ist also einerseits ein essenzielles Bedürfnis, nach dem sich jeder sehnt. Man möchte, dass der andere sich öffnet, seine Abwehr aufgibt, verwundbar wird, seine Wunden offen legt, seine Masken und seine falsche Persönlichkeit ablegt, nackt und bloß dasteht, so, wie er ist. Und andererseits hat jeder Angst vor Intimität – man möchte mit dem anderen Menschen intim sein, doch man möchte seine eigene Abwehr nicht aufgeben. Das ist ein Konflikt, der zwischen Freunden oder zwischen Liebenden immer wieder auftaucht: Keiner möchte seine Abwehr aufgeben, keiner möchte sich dem anderen in vollkommener Nacktheit, Aufrichtigkeit und Offenheit nähern – doch beide wünschen sich Intimität.

 

Solange du dich nicht frei machst von dieser Unterdrückung in dir – dieser Mitgift deiner Religion, deiner Kultur, deiner Gesellschaft, deiner Eltern, deiner Erziehung –, wirst du niemals in der Lage sein, Intimität mit einem anderen Menschen zu erleben. Und du wirst die Initiative ergreifen müssen.“ Osho

 

Intimität -Vertraue dir selbst und den anderen

Ullstein TB-Verlag ISBN-13 978-3548742144

 

 

Oshos beschreibt eine Grenzerfahrung. Gelebte Intimität ist eine Überschreitung dieser Grenze und öffnet uns einen neuen seelischen Raum. Damit hat Intimität etwas subversives an sich. Beim Lesen auf der Seelenebene konfrontiert uns 1984 mit dem Thema der Intimität und dessen Schutz. Dies ist ein Aspekt des Buches, der beim normalen Lesen untergeht, zu sehr schauen wir anklagend auf den "Großen Bruder". 

 

Verwenden wir das Buch im Rahmen einer Seelenschulung [4] stärken wir die Persönlichkeit der Schüler sich für eine Welt zu engagieren, die sich nicht vom Ungeist des totalitären Denkens knechten lässt. 

 

Der Geist der Literatur aus meiner Sicht

Ich glaube heute, dass mein erster Besuch einer Bibliothek mein Leben formte. Damals, es muss Anfang der 1960er gewesen sein, begleitete ich zum ersten Mal meinen Vater auf seinem Weg zur Stadtbibliothek. Wir stiegen viele Stufen empor, bis wir jene große hölzerne Eingangstür erreichten, die uns zuerst den Zutritt versperrte und dann den Weg freigab. War es die Fülle der Bücher, die diesen Ort für meine kindliche Seele magisch werden ließ? Jedenfalls bin ich seitdem von Bibliotheken und Büchern fasziniert und schlug dann die pubertäre Laufbahn eines Bücherwurms ein. Wurde damals den Grundstein für meine heutige Tätigkeit gelegt?"

 

Bücher verändern die Welt heißt es. Meine persönliche Welt wuchs und wächst weiterhin mit ihnen stetig. Als ich 2014 als Medium und spiritueller Lehrer mit dem neue Lehrpfad begann, konnte ich eine weitere Leidenschaft mit der spirituellen Arbeit verbinden. Tatsächlich färbte sehr schnell sich das spirituelle lesen auf der Seelenebene auf das normale lesen ab. Ich verlies gewohnte literarische Genres und entdeckte viel Neues. 

 

Persönliche Entwicklung und Leselust gehen bei diesem Lehrpfad einher. Jeder der gerne liest, kann sich darin wiederfinden. Niemand wird ein Lesestoff aufgezwungen. Der Lehrpfad, das Zeigen sieben Jahre positive Rückmeldungen meiner Schüler,

  • steigert das Verständnis für literarische Texte,
  • erweckt den Spieltrieb sich mit eigenen Worten auszudrücken,
  • initiiert und begleitet persönliche Entwicklungsschritte,
  • hilft konkrete (Lebens-) Probleme anzugehen

und vermittelt Fähigkeiten aus dem Bereich des Persönlichkeits-Coaching mittels Literatur. Zur Zeit bereite ich die Ausbildung für die zukünftigen Lehrer der Methode vor. 

 

In diesem Essay ging es hauptsächlich um das Seelische. Nun heißt dieser Lehrpfad jedoch nicht. Von der Seele der Literatur, sondern verweist auf den Geist. Welche Idee liegt dem literarischen zugrunde? Nicht jeder Autor will auch die Seele des Lesers erreichen. Das alte Problem von Körper, Geist und Seele, dass der menschlichen Trinität begegnet uns auch auf diesem Lehrpfad. Unser Denken, Fühlen und Handeln unter einem Hut zu bringen bleibt auch hier das inhärente Ziel der persönlichen Entwicklung. Dem Geist der Literatur rücken wir aber nicht nur mit dem seelischen auf dem Pelz.

 


  1. Das Multimind-Konzept des menschlichen Geistes verweist auf eine modulare Struktur des Geistes. Vorgänge, wie zum Beispiel das Schalten beim Autofahren, werden nach einer Lernphase automatisiert und ins Unbewusste verlagert. So erschaffen wir  gezielt oder eher zufällig im Lauf unseres Lebens hilfreich oder weniger hilfreiche Geister, die uns unbewusst begleiten. Auf dieser Ebene betrachtet zerfällt unsere Persönlichkeit in interagierende Teilpersönlichkeiten und so lautet die Erkenntnis der Tiefenpsychologie: "Du bist Viele". Ein Credo für viele moderne therapeutisch Interventionen. Ich, Es, Überich war gestern, heute suchen uns die "Inneren Kinder" und andere Dämonen heim. Wir stellen unsere innere Familie auf und um und nennen es dann Persönlichkeitsentwicklung. So erfahren wir die Seele durch das Geistige gefiltert.
  2.  Die Volkszählung in der Bundesrepublik Deutschland war vom Bund ursprünglich bereits für das Jahr 1981 geplant gewesen. Sie war in den Augen der Bundesbehörden neben anderen Gründen notwendig geworden, um die Infrastruktur einem veränderten sozialen Gefüge anzupassen und entsprechend neue Maßnahmen einzuleiten. Dies galt für Verkehrsplanung ebenso wie für die soziale Versorgung und anderes.  Wegen eines Streits um die Höhe des Bundeszuschusses zur Volkszählung verzögerte sich die Verabschiedung des Gesetzes bis 1982 und damit der geplante Zähltermin auf 1983.[7] Ferner formulierte das Bundesverfassungsgericht mit dem historisch bedeutsamen Volkszählungsurteil vom 15. Dezember 1983 das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, das sich aus der Menschenwürde des Art. 1 GG und dem Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit nach Art. 2 Abs. 1 GG ableitet. Daher musste die Befragung teilweise neu konzipiert werden, indem personenbezogene Angaben von den Fragebögen getrennt und die Fragebögen selbst überarbeitet wurden, um die Anonymität der Befragten besser zu gewährleisten. Der Boykott wurde von einem breiten Bündnis verschiedener sozialer und politischer Gruppen getragen und vom „Koordinierungsbüro gegen den Überwachungsstaat“ im Bonner Büro der Jungdemokraten, der ehemaligen Jugendorganisation der FDP, organisiert. Auch die damalige Partei „Die Grünen“, zu der Zeit seit etwa vier Jahren im Bundestag vertreten, gehörte zu den Kritikern der Volkszählung und beteiligte sich mit vielen ihrer Mitglieder an der Kampagne. (AUSZUG WIKIPEDIA (- VOLKSZÄHLUNG IN DEUTSCHLAND)
  3. Intimität, Gefühlsnähe, die Fähigkeit zu intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen, Merkmal von familialer Erziehung, Freundschaft und Cliquen. Kontaktschwierigkeiten wurzeln oft in der Unfähigkeit, Intimität zu ertragen. Aus psychoanalytischer Sicht steht dahinter die u.U. unbewusste Befürchtung, in einem engen Kontakt eine verletzende Beziehung zu den Eltern wiederzubeleben, die ihnen keine Freiheit ließen, sie enorm einengten oder sie in ihren Liebesgefühlen enttäuschten. Diese Angst kann dazu führen, dass alle zwischenmenschlichen Beziehungen oberflächlich bleiben, die Partner schnell wechseln oder in länger dauernden Beziehungen aufkommende Gefühlsnähe immer wieder abgewehrt wird. (LEXIKON DER PSYCHOLOGIE / SPEKTRUM.DE)
  4. Wir alle wissen, was eine Schulung in der Normalität des Lebens bedeutet. Wir lernen rechnen, am Schwebebalken zu balancieren oder die Mimik eine Menschen zu deuten. Wir sind uns dieses lernen zumeist bewusst. Nicht immer brauchen wir einen Lehrer dazu. Bei einer Seelenschulung erfolgt das Lernen nicht in unsere Realität, wirkt sich aber auf diese aus. Wie auch in der Realität kann eine Gruppe von Seelen gemeinsam lernen. In Seminaren verbinden sich normale Schulungen und Seelenschulungen zu einem wohl bewährten Ausbildungskonzept.