Halloween 2020 naht

 

Vielen Menschen graust es vor dem November, gilt er doch als ein "Todesmonat." Das Gedenken der Toten steht Ende Oktober (Halloween 31.10 und) Anfang November ( 01.11 Allerheiligen , 02.11 Allerseelen,  01-02.11 Dia de los Muertos, ...) auf den Plan. Viele die Halloween feiern wissen nichts von seiner tieferen Bedeutung. Sein Ursprung ist das keltische Samhain-Fest. Samhain wurde beginnend am Vorabend in der Nacht zum 1. November und an diesem Tage gefeiert. Er wurde früher, wie der Monat samoni im Kalender von Coligny, als Beginn des keltischen Jahres gesehen. In dieser Nacht standen für die Kelten die Tore zur Anderswelt besonders weit offen und lässt uns Raum für persönliche Spekulationen und andersweltilicher Erfahrungen.

 

Der November ist energetisch sicherlich ein geeigneter Monat sich mit dem Leben, Sterben und Tod auseinanderzusetzen. Nachfolgender Artitkel gibt hoffentlich einen weiteren Anreiz dafür.  

 

"Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt."

Berthold Brecht

 

Dieser Brecht'sche Gedanke begegnet uns am mexikanischen Feiertag "Tag der Toten" (Dia de los Muertos). Der Pixar Animationsfilm  "Coco - Lebendiger als das Leben!" brachte uns 2017 diese Anschauung wieder nah. Bei unserem Ausbildungsgang beleuchten wir viele Aspekte des Themas: Leben, Sterben und Tod.

 

Wie gehen Sie um mit dem Tod? Nehmen Sie ihn auf die leichte Schulter oder fürchten Sie sich vor ihm? "Sterben kann gar nicht so schwer sein - bisher hat es noch jeder geschafft", glaubte Norman Mailer zu wissen. Das dies nicht die  Wirklichkeit des Sterbens abbildet, zeigen die Situationen, in denen sterbenskranke  Menschen langjährig dahinsiechen, ohne das der Sensenmann hilfreich eingreift. Klar - irgendwann kommt dann doch der Tod und beendet die Qual, doch warum ließ er auf sich warten?

 

Wie also kommt der Tod zu uns? Durch Krankheiten? Ärzte wollen den Tod ihrer Patienten vermeiden,  ist er doch schlecht fürs Geschäft und das Ansehen des Arztes. Scheinbar schert sich der Tod nicht darum, was Patienten und Ärzte wollen. Der Tod braucht keine Einladung durch Krankheiten, Unfälle oder Naturkatastrophen. Er erwischt uns beim friedlichem Schlummern, der Zubereitung veganem Essens und steht selbst beim Suizid schon Pate. So ist er nun mal.

 

Der Tod hinterlässt eine Lücke, die nicht nur durch Trauer gefüllt werden kann, manchmal atmet man auf und sagt: "Gott gelobt, endlich". Die widersprüchlichsten Gefühle stehen Pate.  Der Tod und der Umgang mit ihm ist die Spielwiese von Philosophen, Psychologen, Gläubigen, Priestern, Gesetzgebern, Beerdigungsunternehmen und natürlich auch von spirituellen Lehrern. 

 

Jede spirituelle Ausbildung, kommt nicht umhin, sich auch mit dem Tod (und diversen Aspekten des Todes) zu beschäftigen, denn der Tod ist ein elementares Ereignis in dem Leben jedes Menschen. Aus diesem Grund begleitete mich seit 2001 ein eigenständiger Lehrpfad, der sich diesem Thema widmet. Er handelte von 

  • der Seelenlandschaft des Todes,
  • philosophischen und psychologischen Einsichten,
  • der Kompetenz der Seelenbegleitung,
  • spirituellen und religiösen Vorstellungen,
  • dem notwendigen Know-how und
  • der notwendigen seelischen Stabilität der Begleiter. 

"Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht."

Epikur von Samos; Philosoph

Heidenopfertisch , Visbek - copyright Ulrike Krzistetzko
Heidenopfertisch , Visbek - copyright Ulrike Krzistetzko

Über die spirituelle Begleitung von Sterbenden und Trauernden

              

Späte Erkenntnis

 

Glauben Sie an die Unsterblichkeit der Seele? Nein? Sie glauben also, dass mit dem Tod alles unwiderruflich verschwindet? Was aber wenn Sie sich irren und Sie plötzlich ihren Körper etwas leichenblass und fühlbar unbeseelt vor sich liegen sehen. Haben sie für diesen Fall einer außer-körperlichen Wahrnehmung eine andere Erklärung parat, als die das sich im grade abgelegten Leben über den Tod getäuscht zu haben?

 

Haben Sie nach dieser offensichtlich verpatzten Annihilation ihres Selbst ein Plan B, für ein Leben nach dem Tod, parat? Werden sie sich nun besorgt fragen: „was nun“? Greifen Sie nun auf Glaubensvorstellungen anderer zurück, die ihnen in ihrem verblichenen Leben begegnet sind? Halten Sie Ausschau nach Engeln oder Ahnen? Suchen sie das Licht, dass ihnen einen Weg weist? Was aber, wenn niemand sie abholt, kein Licht zu erblicken ist? Wenn also selbst das nicht eintritt, woran sie sowieso zu Lebtage nicht geglaubt haben?

 

Vielleicht erinnern sie sich jetzt an den Film Ghost – Nachricht von Sam indem Patrik Swayze als frisch ermordeter Banker Sam Wheat, die Erfahrung plötzlich nur noch Geist zu sein, macht. Gestrandet zwischen Diesseits und Jenseits und erst einmal unfähig sich seiner lebenden Freundin Molly Jensen (gespielt vom Demi Moore) zu offenbaren, lernt er sich langsam zurechtzufinden und zu guter Letzt beschütz er Mollys Leben, davor einem gewaltsamen Tode zu erleiden. Nun erst öffnet sich der Weg ins Licht für ihn? Halten sie ein solches Szenario für sich selbst als realistisch? Tragen Sie das Naturell eines Schutzgeistes in sich? Oder würde sie, um sich die Zeit zu vertreiben, stattdessen lieber eine postmortale Kariere als Fopp- oder Poltergeist starten. Phlegmatische Charakter bevorzugen das Bewachen ihrer Gebeine bis zum jüngsten Gericht.

 

Egal ob sie im Leben ein überzeugter Atheist. Agnostiker oder Theist waren, sie verbanden mit dem Tod stets auch eine Vorstellung über das Leben danach. Was werden Sie also tun, wenn nach ihrem Tod alles anders ist, als sie es erwartet haben?

 

Plan B

 

Egal welcher Religion oder welcher Kultur man angehört. Unser Ende ist letztendlich gewiss. Doch was sagt unser Glaube über uns und den Tod aus? Welche Erwartungen haben wir? Wäre es nicht eine klügere Strategie, statt blind zu vertrauen oder zu verneinen, sich zu Lebzeiten mit dem Tode einzulassen um sich nicht postmortal wundern zu müssen? In unserem Lehrpfad über die spirituelle Sterbe- und Trauerbegleitung begegnet uns der Tod.Bei diesem Lehrpfad gibt es viele Aspekte zu beachten. Einige davon reiße ich im nachfolgendem Text an.

 

Woran man stirbt

 

„Krankheit, Tod, Verzweiflung, Einsamkeit werden sämtlich verursacht von den nicht erfüllten Wünschen der Seele. Wer nicht auf seine Träume hört, hört nicht auf seine Seele. Und das ist schrecklich. Denn die Seele wird traurig, so traurig, dass sie eines Tages beschließt, uns zu verlassen. Das ist der Grund, warum man stirbt. Man stirbt an einer zu traurig gewordenen Seele. Also wenn du ein wenig Unsterblichkeit haben willst, dann höre auf deine Träume.“[1]

 

Bis der Tod uns scheidet

 

Viele Menschen haben dieses vor sich, dem Anderen und Gott geschworen. Und es bleibt zu überlegen, ob wir dabei den physischen Tod meinten oder den unserer manchmal so launischen Liebe. Der Tod ist eine der elementaren Erfahrungen des Menschseins. Der eigene Tod wie auch der Tod eines Fremden, einer Bekannten, eines Freundes, eines Verwandten oder einer Liebe, er gibt uns immer einen Anstoß zur Transformation. Ob wir wollen oder nicht. Wenn der Engel des Todes kommt, heißt es Abschied zu nehmen.

 

Ich tanze mit dem Tod[2]

 

Ich lebe und das heißt:

ich tanze mit dem Tod

tanze mit dem Tod

von Anfang an tanzen wir nur cheek to cheek

ich tanze mit dem Tod

die Frage ist nur, wie lange dauert die Musik.

 

Als Kind spürte ich, dass Leben und Tod eine gemeinsame Bestimmung haben. Jede Sekunde, die ich lebte, kam ich dem Tod unaufhörlich näher. Die Zeit hielt ich für von vornherein bemessen. Sie wurde uns zugeteilt oder aber zugestanden von einem unbekannten Wesen Namens Gott. Damals wusste ich noch nicht, wie sehr wir unseren Tod selbst mitgestalten und die Restzeit scheinbar doch noch variieren können. Die Sterberatenstatistik legt es uns nahe: erst nach wichtigen Tagen (Geburtstage, Hochzeitstage, Feste) wird gerne gestorben. Und so manch einer rettet sich schon über den 1. des Monates, allein der Rente wegen. Die Vorstellung mit dem Tod zu tanzen, liegt mir sehr nah. Und doch, sich von ihm führen zu lassen, will mir noch nicht so recht gelingen.

 

Gibt es ein Leben nach dem Tod[3]

 

Diese Frage stellen sich viele immer wieder. Dabei ist die Antwort so einfach - für die (Über-)Lebenden schon. Wer gibt uns einen Bezugsrahmen, um unseren Glauben über Leben und Tod zu überprüfen und endlich Frieden zu schließen mit der Realität des Lebens? Finden wir in Religion, Philosophie oder Wissenschaft unsere Verbündete.

 

Die Engel des Todes

 

Wenn er erscheint, kann es uns heiß und kalt werden, und dieses manchmal sogar zur gleichen Zeit. In einer hellen silbrigen Energie zeigt er sich uns. Er ist es, der zu dir kommen wird und dir sagt „Mach dich bereit, du hast noch zwei Jahre“ oder aber „noch fünf Minuten. Nütze sie“. Dieses hören wir im allgemein nicht so gern. Kommt er als Bote des eigenen nahenden Todes, besinnt sich so manch einer und fängt an, seine Sachen zu ordnen und Frieden zu schließen mit dieser Welt. Doch einige kämpfen dagegen an, als gebe es ein verbrieftes Recht auf weltliche Unsterblichkeit. Wer bereitet uns unvermeidlich auf das Unvermeidbare vor?

 

Erwartungen

 

Ob gläubig oder ungläubig, wir erwarten alle etwas vom Tod. Die einen hoffen, dass danach einfach Schluss ist, andere sehnen sich nach dem Himmel, befürchten das Fegefeuer oder gar die Hölle. Jeder Glaube birgt seine Erwartungen. Widersprüchliche Erwartungen über ein Leben nach dem Tod, wir treffen sie weltweit an. Doch was ist wirklich wahr? Sind in unsere Todesstunde Seelen aus dem Jenseits da, Seelen, die uns abholen? Oder ist alles nur eine Täuschung der Sinne, vorgegaukelt von einem sterbenden Gehirn? Was gibt uns die Möglichkeit, die Fesseln der Erwartungen[4] zu lösen, um ruhig sterben zu können?

 

Angst

 

Der Tod, er kann sich hinziehen – jahrelang. Manche Menschen wagen es gar nicht erst zu leben, weil der Tod sie nicht in Ruhe lässt. Aus Angst tun wir vieles, zumeist doch nicht das Richtige. Wir bleiben dem panischen Gefühl ausgeliefert. Wer hilft uns, unserer Angst in die Augen zu schauen und zu sagen: „Noch lebe ich. Ich mache das Beste daraus“? Die Angst vor dem Tod lässt den Tod selbst qualvoll werden. Ohne Angst stirbt es sich leichter und angenehmer. Unser Wort darauf.

 

Bindungen

 

Menschen weben ein Netz von Beziehungen. „Verlass uns nicht“, rufen die Angehörigen und machen einem das Sterben schwer. „Ich darf doch nicht mein Kind in Stich lassen“ und wir kämpfen ums Überleben. Doch du darfst gehen, denn wenn der Tod dir bestimmt ist, wirst du gehen müssen. Und der Zeitpunkt ist paradoxerweise immer der richtige. Wer hilft, uns zu entbinden und gibt uns und den Angehörigen Trost?

 

Schuld und Sühne

 

Wir Menschen neigen mehr oder weniger zu Schuldgefühlen. Als Kind konnte ich mich wochenlang mit quälenden Gedanken über vermeintliche Fehler von mir beschäftigen. Schuldgefühle sind gefräßige Gefühle und sie sind nicht so leicht abzuschütteln. Die Schuld besteht manchmal nur in unserer Einbildung und trotzdem fragen sich viele „wie kann dies gesühnt werden? Was muss ich tun um diese Schuld zu begleichen?“. Schuldgefühle erschweren das Leben und weisen auf eine frühkindliche Fixierung hin, welche die Eltern und Gott Vater als strafend und beurteilend wahrnimmt. Schuldgefühle erschweren auch das Sterben. Nicht umsonst versuchen viele Menschen vor ihrem Tod noch einmal, ihre Seele zu erleichtern. Sei es durch eine Beichte, sei es, dass sie Frieden schließen und über ihren eigen Schatten springen. Wie auch immer, angesichts des Todes relativiert sich so vieles in unserem Leben. Wer hilft uns dabei, mit den Schuldgefühlen umzugehen und die Dinge richtig zu gewichten?

 

Besetzte Seelen

 

Nicht jeder Mensch ist im Vollbesitz seiner eigenen Persönlichkeit. Seelen können sprichwörtlich von anderen besetzt werden. Wie kommt dieses zustande? Nicht jede Seele findet nach dem Tod den Weg ins Licht. Sie bleibt dem Irdischen nahe und verbunden. Manche von diesen versuchen verzweifelt, das Licht zu finden, andere scheuen es. Diese Seelen befinden sich im astralen Bereich und können Kontakt zu uns aufnehmen. Hellsichtige können sie oft sehen, Hellfühlige ihre Anwesenheit spüren und Hellhörige gar sich mit ihnen unterhalten. Solche Seelen können unser Unbewusstes erreichen und uns zum Narren halten. Sogenannte Fopp-Geister reden uns so manches ein. Stimmt dies wirklich? Im Tod selbst tritt spätestens die Freiheit wieder ein. Wer nimmt sich auch dieser Thematik an?

 

Seelen in Ketten

 

Viele Leser werden schon bei den Gedanken an die Seelenbesetzung ein leichtes Unbehagen verspürt haben. Doch nun wenden wir uns wirklich dem Inbegriff des „Bösen“ zu: den großen und den kleinen Teufeln. Sie haben uns viel zu oft allzu leicht am Wickel, legen uns Ketten an. Dann reitet er uns, der sprichwörtliche Teufel. Auf der Seelenebene des Todes spielt auch er mit. Wer ist hierfür zuständig?

 

Der Akt des Todes

 

Der Tod, er ist der letzte weltliche Schöpfungsakt der Seele. Hier zeigt sich, wer anwesend sein darf und wer nicht. Liebe Angehörige seid Euch keiner Schuld bewusst, niemand kann etwas versäumen, was nicht ihm ermöglicht wird. Wer in der Todesstunde da sein soll, wird da sein. Wer nicht, wird verhindert werden. Auch hier zeigt sich noch einmal der letzte Wille der Seele des Sterbenden. Warum nur starb er Heiligabend? Nun haben wir die Bescherung.

 

Letzte Worte

 

Von Lord Byron (1788-1824), dem großen englischen Romantiker, der für einige als „Erfinder des Weltschmerzes“ gilt, wird folgendes berichtet. Am 19. April 1824 versammeln sich Byrons Freunde am Bett des Sterbenden. Als alle schluchzen, schlägt er noch einmal und zum letzten Mal die Augen auf und sagt lächelnd: „Welch schöne Szene“.

 

Oscar Wild, der Schriftsteller mit dem extravaganten Lebensstil, bedeutendster Vertreter des Ästhetizismus in England, starb völlig verarmt mit den einsichtigen Worten: „Ich sterbe, wie ich gelebt habe – über meine Verhältnisse.“

 

Nicht jeder hat die Gelegenheit zu letzten Worten. Die, die am 11. September 2001 in den New Yorker Zwillingstürme noch telefonieren konnten, hatten die Gelegenheit. Aber ich glaube nicht, dass man sie deshalb darum beneiden sollte. Im „goldenen Zeitalter des Channelns“, scheinen die Toten sich schon nach kurzer Zeit wieder mitteilen zu wollen. Frei nach dem Motto „was ich noch sagen wollte“ sind anscheinend - prominente Tote nicht wirklich mundtot zu kriegen. Bedauerlich. Sehr bedauerlich!

 

Schwanengesänge

 

Viele Menschen ereilt der Tod beinahe unverhofft. Doch in Wirklichkeit hat er sich auch bei ihnen schon vorher angekündigt. Er gibt uns die uns zugestandene Zeit, doch nicht jedem gleichviel davon. Manche Menschen haben das Glück, gut vorbereitet auf den Tod zu treffen, ihnen fällt es leicht ihr „Leben nach dem Tode“ zu organisieren. Andere dagegen kämpfen einen verbissenen Kampf ums Überleben. Sie ignorieren alle Anzeichen ihres nahen Endes. Laufen, falls „todkrank“, von Heiler zu Heiler. Ob Schulmedizin, alternative Methoden oder esoterisches Heilen, sich nur nicht mit der Energie rechts am „zukünftigen Totenbette“ beschäftigen. „Relax,“, sprach der Engel des Todes, „relax“, doch die Ohren waren taub und auch so geblieben. Und so stirbt so mancher unbewusst und weiß auch danach noch nicht, wie ihm (so unverhofft) geschah. Der Tod ereilt einen jeden. Schau an dein letztes Werk, ist es dir gelungen? Gute Reise Seele! Möge ich dich Tode nur frühzeitig genug spüren. Damit mir mein letztes Werk gelinge und nicht so unvollendet bleiben muss.

 

Wie man sich bettet, so liegt man.

 

Scheinbar von Anfang an, wurden Menschen beerdigt. Grabbeilagen lassen uns erahnen, was für eine Glaubenshaltung die Menschen dazu bewogen hat. Wegzehrung und Münzen für den notwendigen Reisezoll für die Seele auf ihren Weg ins Jenseits. Der Glaube einer unsterblichen Seele ist damit dokumentiert. Wir geben uns mehr oder weniger Mühe bei der Suche unserer Grabesstätte und der Inszenierung der Beerdigung. Hier zeigt sich, was wir glauben, und was wir für wichtig halten, um der Nachwelt zu zeigen: Da liegt er. Ob feudal in der Familiengruft, eingeäschert zur maritimen Entsorgung, im typischen Mittelklassesarg Ambiente, einbalsamiert, liegend oder stehend beerdigt, zur Asche zerbröselt, mit Grabstein oder pflegeleicht anonym, als Plastinat auf Museumstour gebracht, ausschlachtbar als Ersatzteillager freigegeben, in Spiritus eingelegt, kryonisch konserviert, zum Diamant gepresst, im engsten Familienkreis oder als Staatsakt mit geladenen Gästen beerdigt. Wir waren an unserem Danach irgendwie vorher beteiligt. Denn wir selbst bestimmen als Lebende noch oft mit, was aus uns nach dem Tode wird. Wir sorgen durch eine Sterbeversicherung vor, und ersparen uns somit ein unwürdiges verscharrt werden. Dass in Indien die Frau des Mannes gleich mit verbrannt wurden, in Ägypten die Bediensteten in der Pyramide mit einer drastisch verringerte Restlebenszeit eingeschlossen wurden, dass man im KZ die eigenen Gräber schaufeln mussten, dass Hexen, die ertranken nun nachweislich nicht dem Teufel dienten, zeigt uns eins klar auf, der Mensch hat einen seltsamen Umgang mit dem Tode und dem Leben davor.

 

Trauerarbeit

 

Trauer ist nicht nur eine individuelle Reaktion auf den Verlust einer geliebten Person oder das Verpassen der deutschen Fußballmeisterschaft. Es ist vielmehr auch eine kollektive Reaktion. Denn außerhalb des Grabes stehen im Allgemeinen mehr Personen als drinnen liegen werden. Es war Alexander Mitscherlich, der über die Unfähigkeit zur Trauer schrieb. Ein Volk, das nicht über die Fehler seiner Ahnen[5] trauern kann, läuft Gefahr, sie zu wiederholen. Trauer empfinden zu können, ist ein sehr wichtiges Gefühl. Leider hat der therapeutische Zeitgeist es zu einem negativen Gefühl gestempelt, dem man sich entledigen muss. Und so wissen die wenigsten mit diesem Gefühl gut umzugehen. Wir verdrängen es oder aber lassen uns von ihm auffressen. Weltweit wird mit Trauer sehr unterschiedlich umgegangen. Von Klageweibern, die uns helfen bis hin zum diszipliniertem „keine Gefühle zeigen“, alles ist drin. Trauernde brauchen Trost, Hoffnung und Lebensmut. Die Engel der Heimführung wissen dies. Die geistige Sterbebegleitung gibt auch den Hinterbliebenen das, was sie brauchen. Wir lernen wieder, entsprechend ihrer individuellen Möglichkeiten, richtig zu trauern und Abschied zunehmen.

 

New Orleans Blues

 

Als Jugendlicher war ich fasziniert von der in New Orleans gespielten bluesigen Beerdigungsstimmung, wie sie aus dem Fernsehen zu mir herüber schwappte. Diese Musik, dieser Rhythmus - wenn beerdigt, dann bitte so. Doch man wird unweigerlich älter und erwachsener, der Zeitgeist nimmt einen mit. Und die alten Vorlieben verblassen. Neue kreative Ideen vom „schöner Sterben“ könnten sprudeln. Doch eigentlich denke ich schon seit vielen Jahren nicht mehr über das Danach nach. Meine jugendliche Faszination, die ich für dieses Thema besaß, ist einer Nüchternheit gewichen.

 

Die Seele und ihr Weg zurück ins Licht

 

Die meisten Mensch werden von sich behaupten, dass sie eine Seele besitzen, und das obwohl sie erst einmal nicht sichtbar erscheint. Der Glaube an die Existenz einer Seele ist weitverbreitet. Die Seele, der göttliche Funken unseres Seins. Doch damit scheiden sich schon mal die Geister in unserer Welt. Haben wir nur eine Seele? Manche Naturvölker glauben an mehrere Seelen. Wieweit sind wir wirklich beseelt? Lässt der Liebe Gott sich wirklich in die Karten schauen? Im Sterbeprozess löst sich die inkarnierte Seele wieder vom Körper und muss sich auf den “Weg zurück ins Licht” begeben. Ist diese Heimkehr ins Licht versehen mit Aufgaben, die wir noch zu lösen haben? Oder warten wir einfach auf das Jüngste Gericht? Wo genau liegt das Reich der Schatten? Wo ist die keltische Anderswelt, wo das Fegefeuer und die Hölle zu finden? Noch weitere Fragen? Zugegeben viele bislang unbeantwortete Fragen und noch vielmehr die möglich scheinen. Und doch es gibt Antworten.

 

Ein kultiger Rat zuletzt

 

Dream as if you´ll live forever,

live as if you´ll die today.

James Dean

 

Aspekte der Ausbildung

 

"Der Tod ist kein Ereignis des Lebens. Den Tod erlebt man nicht."

Tractatus logico-philosophicus, 6.4311; Ludwig Wittgenstein (1889-1951)

 

Hat Wittgenstein recht? Zum Thema Tod hat wohl jeder seine eigene Meinung und darum ist dieser Ausbildungsgang sehr auch sehr komplex geraten.

 

Tod und Heilung / Gevatter Tod / der Engel des Todes und die Engel der Heimkehr / die Seelenfamilie der Heimkehrer / Von Todesfeen und Tierboten / vom Tode gezeichnet sein / die unsterbliche Seele / das Leben danach / Vorstellungen über das Totenreich / Wiedergeburt und Auferstehung / Todeskämpfe und Siechtum / Seelenbesetzung und Seelenverlust / Fopp-Geister und Medialität / letzte Worte und Grabinschriften / Festhalten und Loslassen / Trauerbewältigung / Seelenanker / Seelenbegleitung / Quellen des Trostes / Mitgefühl / Schuld und Sühne / Vergebung und Selbstvergebung / Gespenster / Nahtoderfahrungen / Bestattungsriten / Glaubenskonflikte / die spirituelle Arbeit mit Sterbenden und Trauernden / der Tod und die Philosophie / aktive Sterbehilfe / Suizid und die Leittragenden / über den Tod hinaus / Totenfeste

 

Seit 2001 begleiteten meine Schüler und mich dieser Themenbereich. In den Jahren wurde ich mehrmals mit der Thematik als spiritueller Lehrer konfrontiert. Ich half Schülern ihre Eltern beim Sterben zu begleiten. Kommt man dem Tod zu nah so färbt er ab. Wir brauchen die sichere Distanz oder ein dickes Fell, wenn wir auf dieser Ebene tätig werden. Trotz spiritueller Ausbildung ist nicht jeder für diese spirituelle Tätigkeit geschaffen. Genau sowenig wie jeder der sich rein weltlich in der Hospiz-Bewegung engagiert auch dies ohne seelische Blessuren tun kann.

 

 

Die Quelle dieses Ausbildungsganges

 

Die geistige Organisation (mit der geistigen Signatur: helles Silber), die diesen Ausbildungsgang initiiert und begleitet, hilft Menschen sich mit den unterschiedlichsten Glaubensvorstellungen, wie sie im kollektiven Unbewussten gespeichert sind, konstruktiv auseinander setzen zu können. Die langjährigen Erfahrungen meiner Schüler mit dieser geistigen Organisation und ihren angebotenen Lehrpfaden zeigen insgesamt eine positive Lebensausrichtung. Ziel dieses Ausbildungsganges ist es Schülern eine energetische Unterstützung und Begleitung in Sterbe- und Trauerprozess zu ermöglichen. Und dabei unabhängig zu sein von einer notwendigerweise erst zu erlernenden spirituellen Heilmethode. Großteil dieser Textversion ist ein Teil des Ausbildungsskriptes von 2002

 

 

 

[1] Zitiert aus dem Roman „Des Jours et des Nuits“ von Gilbert Sinoue,

[2] Dieses wunderbare Lied singt Hermann van Veen au seiner CD: „Blaue Flecken“

[3] Jemand hat die Frage genial variiert in: „Gibt es ein Leben vor dem Tod? “

[4] Die Geschichte zeigt uns, dass unsere Erwartungen sehr mit dem herrschendem Zeitgeist verbunden sind.

[5] Gemeint war hier der Holocaust