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Beckmanns Kreuzabnahme

oder die bittere Enttäuschung vom Leben

 

In der Ausbildung über die spirituelle Kraft der Malerei wendeten wir uns heue dem Bild Kreuzabnahme von Max Beckmann (1884-1950) zu und beschäftigten uns mit der Thematik der bitteren Enttäuschung vom Leben und seiner Heilung. In der Recherche zu diesem Bild entdeckte ich einen Interessanten Blog von Herrn Norbert Schnabel (das  Stendhal-Syndrom / http://syndrome-de-stendhal.blogspot.com/2015/12/keine-demut-mehr-vor-gott-max-beckmanns.html) aus dem ich nun zitiere: 

 

"Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldet sich wie viele andere Künstler auch der Maler Max Beckmann (1884–1950) als Freiwilliger: Er wird als Sanitätshelfer an der Ostfront und danach in Flandern eingesetzt, wo er anfangs in einem Typhuslazarett und dann in einem Operationssaal arbeitet. Die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Zeit erschüttern ihn tief – 1915 beurlaubt man ihn wegen seiner zerrütteten Nerven vom Dienst. Ein befreundetes Ehepaar nimmt ihn in Frankfurt am Main auf, wo er wieder zu malen und sich mit biblischen Themen auseinanderzusetzen beginnt.  

 

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Spiegeln sich in der Kreuzabnahme die bedrückenden Kriegserfahrungen Beckmanns? Der Glaube an den Erlösertod Jesu und seine Auferstehung jedenfalls wird hier nicht mehr verkündet. An diesem Christus weist nichts mehr auf den glorreich über die Macht des Todes triumphierenden Sieger hin. Eine wie auch immer geartete Verheißung lässt sich in der Kreuzabnahme nicht erkennen. Spürbar wird vielmehr die Depression der Kriegsteilnehmer, das Erlebnis der Gottverlassenheit in einer irdischen Hölle. 1919 erklärt Max Beckmann provozierend: „Mit der Demut vor Gott ist es vorbei. Meine Religion ist Hochmut vor Gott, Trotz gegen Gott. Trotz, daß er uns geschaffen hat, daß wir uns nicht lieben können. Ich werfe in meinen Bildern Gott alles vor, was er falsch gemacht hat“ (Piper 1950, S. 33)."